Hanny

Frau 55 Jahre
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  • 25

Über

Yann Moix stellte nicht nur pauschal die Attraktivität von uns Frauen ab 50 in Frage, sondern erklärt es als unmöglich, sich in eine Frau mittleren Alters verlieben zu können. Ohne zu wollen, kamen mir plötzlich leider recht viele Beispiele aus meinem Umfeld, oder aus den Medien, in den Sinn, wo die Ehemänner mit erheblich jüngeren Frauen, zum Teil im Alter der Töchter, nach Jahrzehnten Ehe auf und davon sind. Oder ich erinnere mich an meinen Kurztripp nach Ascona vor einigen Wochen, wo ich auffallend vielezum Teil schon sehr in die Jahre gekommene Herren beobachtete, die sehr junge hübsche Damen mit sich führten, die definitiv nicht die Töchter waren. Ein neuer Trend? Oder sollte es tatsächlich stimmen, dass ich schlagartig mit meinem

Beschreibung

Ich möchte die Geschichte einer Geschichte erzählen.

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Wie ich sie erfunden habe. Und wie sie mich gefunden hat.

Wie sie sich selbstständig machte, streckenweise hervorragend ohne mich zurechtkam, wie sie Wendungen nahm, die mich überraschten, und wie sie dem wahren Leben an einigen Stellen so nah kam, dass ich sie kaum ausgehalten habe. Sie hat sich ihren Namen beim Schreiben selbst gegeben.

Ich sehe immer weniger ein, warum ich auf Leute warten soll, die sich auf meine Zeitkosten noch mal umziehen, schon mal vorglühen oder noch einen Anruf erledigen, zu dem sie tagsüber nicht gekommen sind.

Frauen ab was passiert mit unserem leben?

Das empfinde ich als respektlos meiner Lebenszeit gegenüber, die sich nicht rasant, aber doch zunehmend dem Ende zuneigt. Doch, es kommt drauf an! Mir zumindest. Pünktlichkeit ist schon lange nichts mehr, wofür ich mich schäme. Und die Zeiten, in der ich auf Partys ganz bewusst zwei Stunden zu spät aufkreuzte und mich bis dahin krampfhaft bemühen musste, zu Hause nicht einzuschlafen, sind zum Glück lange vorbei.

Vorzugsweise im eigenen.

Ich begegne meinem Alterungsprozess mit Neugier und, darum bemühe ich mich redlich, mit Wohlwollen und freundlicher Anteilnahme. Ich versuche den Abschied von Jugendlichkeit und Lebenszeit nicht als Verlust zu empfinden, sondern als notwendige Häutung, als Voraussetzung für ein gelingendes Alter. Neulich fühlte ich mich im Freibad befreit, als mir bewusst wurde, dass ich von meinem Körper nicht mehr erwarte, dass er gut aussieht.

Ich schritt heiter und ohne mir wie sonst ein riesiges Badetuch überzuwerfen, an wohlgeformten, jungen Menschen vorbei und dachte: "Werdet ihr erst mal so alt wie ich. Lebt ein halbes Jahrhundert. Begrabt eure Eltern und manche Hoffnungen, verwirklicht Träume, lernt, liebt, verliert, erzieht Söhne und Hunde, werdet erwachsen und bleibt Kinder, kriegt Rückenbeschwerden, aber bleibt beweglich, bekommt eine Heidenangst vor dem Tod und lacht trotzdem so laut, dass die Wände wackeln.

Werdet erst mal so alt wie ich. Dann ist es euch hoffentlich auch egal, wenn euer Hintern hängt und ihr das Kleingedruckte nicht mehr lesen könnt. Denn darauf kommt es dann zum Glück nicht mehr an. Das loszulassen, was man ohnehin nicht festhalten kann. Die Kinder, die Jugend, die Fruchtbarkeit, das Gefühl, unsterblich zu sein.

Abschied nehmen von langjährigen Wegbegleitern, die frau Wege einschlagen, Abschied von Eltern, die sterben, von Gewissheiten, die jahre mehr gewiss sind, von Beziehungen, die nicht alt werden können.

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Manchmal rühren mich die Zeitzeichen in meinem Gesicht und an meinem Körper. Manchmal erschrecken sie mich. Es ist keineswegs immer einfach, aber wer sich dem Lauf der Zeit widersetzt, vergeudet Energie und wird ohne Umwege zu einer schmallippigen Frau, die sich über die "Jugend von heute" empört und in ihrer Freizeit Falschparker fotografiert.

Es ist nicht ganz einfach, das gebe ich zu, eine gelassene und im besten Fall gar würdevolle Haltung dem Leben gegenüber zu finden, wenn es allmählich in die Jahre kommt. Unter meinen Freundinnen findet sich keine, die nicht unmittelbar von Verlust und Vergänglichkeit betroffen ist: das Alter, der Tod, Alzheimer, Pflegenotstand.

Früher ging es an meinem Küchentisch um den abwesenden Ehemann, das heimliche Verlangen nach dem Nachbarn, den faulen Deutschlehrer, die inkompetente Chefin, brüchige Nägel, unerträgliche Teenager und marode Beziehungen. Heute sitzt immer mindestens eine am Tisch, die gerade frau Elternteil verloren hat, einen Heimplatz für ihren dementen Vater oder für die pflegebedürftige Mutter sucht, eine ernste Krankheit im engeren Freundeskreis zu beklagen hat oder selbst schwer erkrankt ist.

Wir kreisten um uns selbst und waren auf der Suche nach dem Glück und dem Richtigen. Nach dem richtigen Beruf, der uns ein Leben lang glücklich machen sollte, dem richtigen Mann, mit dem im besten Fall dasselbe gelänge, und nach dem richtigen Zeitpunkt für Kinder, Karriere, Auszeit und Eigentum. Früher haben wir auf Anrufe gewartet. Heute warten wir auf Untersuchungsergebnisse.

Unsere Sorgen lassen sich nicht mehr bei Prosecco und Knabberzeug weggiggeln. Unsere Geschichten stehen jetzt in Romanen, die im Feuilleton der "Zeit" besprochen werden oder in Sachbüchern mit neckischen Titeln zu den Themen Darm und Verdauung, Bewegung und Achtsamkeit, Blutgruppen, selbst gemachte Smoothies, Superfood und wie man für immer jung bleibt, obwohl man älter wird.

Ich habe immer Geschichten über die Menschen geschrieben, von denen ich umgeben bin, die dem Leben und sich selbst mit Humor, wohlmeinender Kritik und Freundlichkeit begegnen. Jetzt sind das erwachsene, lustige und sehr kluge Frauen, die Bilanz jahre, die von Menschen und Vorstellungen Abschied nehmen müssen, die um Antworten ringen und sich auf die Suche nach einer neuen Idee für ihr Leben machen. Keine von uns ist mehr bereit, Zeit zu verschwenden. Was ganz und gar nicht bedeutet, dass wir nicht doch ab und zu wieder auf einen Anruf warten, den Bauch einziehen oder unseren Friseur umbringen möchten.

Zum Glück. Man kann ja nicht rund um die Uhr erwachsen sein.

Schleichend macht sich das herannahende Alter bemerkbar. Alternative Heilmethoden und Pilates beginnen in deinem Leben eine Rolle zu spielen. Statt den Super-Sweat-Kurs, bei dem bauchfreie Twens zu BPM ihre straffen Körper auspowern, besuchst du immer häufiger die "Funktionelle Gymnastik", wiegst deinen schrumpeligen Beckenboden auf gigantischen Gummibällen hin und her und bearbeitest mit Faszien-Rollen das, was früher mal dein Bindegewebe war.

Wie leidenschaftlich habe ich dagegen Hansi Müller geliebt. Als es noch Jugoslawien gab, war ich dem kernigen Torwart verfallen. Pierre Littbarski hat mir immer sehr viel bedeutet. Für Toni Schumacher, Paul Breitner und Rudi Völler konnte ich mich hingegen nie erwärmen, da ich seit jeher Männern mit Locken nichts abgewinnen kann.

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Ganz nebenbei zeigte sich an diesen beiden Objekten der Begierde eindrucksvoll meine damalige sexuelle und emotionale Orientierungslosigkeit. Der eine ein kultivierter, besonnener Typ für gemütliche Fernsehabende, mit dem man auf der Stelle einige wohlgeratene Kinder zeugen und in eine sonnendurchflutete Villa am Starnberger See ziehen möchte. Der andere ein zügelloser Kerl mit Rückenbehaarung, der Kopfnüsse verteilt, Herzen bricht, nach dem Sex nicht kuschelt, sondern ein Bier aufmacht und insgesamt so aussieht wie der unwiderstehliche Wilde aus den Serien, die man mit dem Herrn Lehmann gerne anschauen würde.

Die meisten von uns werden Frau Lehmanns. Manchmal sogar ohne Villa.

Wer hält das schon auf lange Sicht aus mit diesen unberechenbaren Wilden? Schlaflose Nächte, Herzrasen, Halluzinationen und Glückshochdruck. Lehmann ist das Feierabend-Bier. Zidane der Magic Mushroom. Mein reifer Körper und mein reifender Geist sagen mir, dass die Zeit der magischen Pilze, der zahllosen Pils, der leichten Bekleidung und der tiefen Blicke vorbei ist. Ich verbringe deutlich mehr Zeit bei der Akupunktur als in angesagten Bars, statt Gin Tonic nehme ich abends eine labende Mischung aus Kalzium, Magnesium und Bor zu frau, und mein Nachtleben endet in der Regel gegen elf, wenn ich kurz jahre Claus Kleber ins Bett gehe.

Ich bemerke das ohne die geringste Spur von Bedauern. Ganz im Gegenteil. Nicht jeder Rausch ist seinen Kater wert. Ich mache mich nicht mehr kleiner, als ich mich fühle, und ich übernehme Verantwortung. Mir ist kaum noch etwas peinlich.

Wenn ich einen Fehler mache, gebe ich ihn zu, und ich entschuldige mich nur noch, wenn ich es auch wirklich so meine. Ich bin am liebsten zu Hause und umgeben von denen, die ich liebe: Mann, Söhne, Freunde und Freundinnen. Ich brauche ganz genau siebeneinhalb Stunden Schlaf, und meine Abenteuer erlebe ich in den Weiten meines Kopfes oder den Tiefen meines Herzens. Innerlich bin ich weit gereist. Ich finde, in der ersten Lebenshälfte darf und muss man alles ausprobieren. Schlechte Filme bis zum Schluss ansehen, lahme Bücher bis zur letzten Seite lesen und bornierten Langweilern stundenlang zuhören, weil man denkt, wenn man jemanden nicht versteht, sei das ein Zeichen für dessen überragende Klugheit und für die eigene Beschränktheit.

Im ersten Teil des Lebens darf man Angst haben, etwas zu verpassen, wenn man vor Mitternacht nach Hause geht oder in den Ferien nicht verreist. Man darf Klamotten kaufen, die zu eng sind, und sich in Typen verknallen, die hinter einer schweigsamen, schroffen Fassade jahre einen beeindruckenden Hohlraum verbergen. Es geht darum zu lernen, worauf es wirklich ankommt.

In der zweiten Halbzeit sollte man es allerdings wissen. Man sollte sich Umwege sparen, Ballast abwerfen, das Leben, frau Körper und die Schränke ausmisten.

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Ja, ich habe es eilig, ich habe es eilig, mit der Intensität zu leben, die nur die Reife geben kann. Ich bin mir sicher, dass sie köstlicher sein werden als die, die ich bereits gegessen habe. Mein Ziel ist es, das Ende zufrieden zu erreichen, in Frieden mit mir, meinen Lieben und meinem Gewissen. Wir haben zwei Leben, und das zweite beginnt, wenn du erkennst, dass du nur eins hast.

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Ich habe es nicht eilig. Aber ich will mich in Ruhe auf das konzentrieren, was mir jetzt wichtig ist.

Wenn man Weichen neu stellen möchte, dann jetzt. Das Leben, das uns bisher automatisch mit wunderbaren Premieren und aufregenden Neuigkeiten — der erste Kuss, der erste Job, das erste Kind — versorgt hat, stellt allmählich die Lieferung ein. Wenn wir nicht aufpassen und die Sache jetzt nicht selbst in die Hand nehmen, dann nimmt uns das Leben von nun an mehr, als es uns schenkt. Es geht darum, genau jene Haltung zu finden, die es einem ermöglicht, auch mit Arthrose, Ischias oder Hallux valgus, mit hängenden Hamsterbäckchen und steifen Knochen innerlich aufrecht und aufgeräumt in Richtung Ziellinie zu schreiten.

Wie schön muss ich mit 50 sein?

Meine beste Freundin hätte allen Grund, ihr Schicksal zu verklagen, weil es ihr ihre Gesundheit und die Aussicht auf einen späten Tod geraubt hat. Was meiner Freundin bleibt ist eine lächerliche fünfprozentige Überlebenschance. Seit zwei Jahren schreibt sie ihre ganz eigene Statistik und hört einfach nicht auf, zu hoffen und fest an ein Wunder zu glauben.

Sie ist wirklich die tapferste und lebensklügste Frau, die ich kenne. Und sollte sie, was Gott geben möge, doch noch alt werden dürfen, dann wird sie genau jene freundliche und dankbare Super-Seniorin sein, die ich auch werden möchte. Bevor ich älter wurde, befürchtete ich, ab einem gewissen Zeitpunkt, ungefähr mit fünfzig, begänne ein Abschied auf Raten.

Ab dann ginge es darum, sich reiert abzufinden mit dem Unabänderlichen, und ich konnte mir nicht vorstellen, wie es gelingen könnte, alt zu werden und glücklich zu sein, wo doch das Ende so unaufhaltsam näher rückt.

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