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Strassenstrich In Hamburg
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Tagsüber Treffpunkt für Restaurantbesucher — nachts Ort für Drogenkriminalität und illegale Prostitution. Wir haben uns an den Hansaplatz gesetzt und den Hamburger Brennpunkt beobachtet, über den Anwohner, Politiker und Einzelhändler streiten. Die Illustrationen für diesen Artikel wurden von der HAW-Studentin Anna Karetnikova angefertigt. Etwa Meter vom Hauptbahnhof Süd entfernt liegt der Hansaplatz. Nachts wird der Hansaplatz zum Brennpunkt mit Drogenkriminalität und illegaler Prostitution.

Beschreibung

Der hansaplatz bei tag

Sexarbeit gehört seit Jahrzehnten zum Hamburger Stadtteil St. Durch Sperrbezirk und Kontaktverbot wurde die Prostitution nur geheimer. Ins Dunkelfeld abgedrängt: Prostitution in St. Georg Foto: Miguel Ferraz. HAMBURG taz Im Kalender steht nichts vom Streiten: Es ist Montag, der November — und damit Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen.

Ein Anliegen also, gegen das wenigstens öffentlich kaum mit Gegenwind zu rechnen sein dürfte. Der Hamburger Senat hat die Aktivistinnen eingeladen, zum Sektempfang als Dank für ihre ehrenamtliche Tätigkeit. Doch auch unten auf dem Platz vor dem Rathaus sind Transparente zu sehen.

Bemerkenswert ist, dass die Frauenrechtlerinnen vor und die im Rathaus nicht nur jeweils für die Rechte der Frau kämpfen, sondern zumindest heute, an diesem symbolträchtigen Montag, vor allem auch gegeneinander antreten. Es geht um Sexarbeit, Prostitution oder Hurerei. Schon über diese Worte lässt sich lange streiten. Für Terre des Femmes und andere traditionell-feministische Gruppen gilt Sexkauf als Inbegriff von Ausbeutung und Unterdrückung der Frau, weshalb sie den diesjährigen Aktionstag der Forderung nach einem grundsätzlichen Verbot der Prostitution gewidmet haben.

Prostitution in hamburg: seit wieder zulässig!

Fast alle Protestierenden kommen aus der Sozialarbeit: Der Verein Ragazza ist gekommen, eine Anlaufstelle für drogenabhängige Frauen und Prostituierte, einige Menschen aus der Aidshilfe — sowie von Sperrgebiet St. Georgdie unter dem Dach der Diakonie niedrigschwellige Hilfe für die meist osteuropäischen Sexarbeiterinnen des Stadtteils anbieten. Deren Leiterin Julia Buntenbach-Henke hat die Aktion strassenstrich, weil sie die aktuelle politische Debatte über das Sexkaufverbot für höchst gefährlich hält.

Die Gruppe Sperrgebiet St. Georg arbeitet zwei Kilometer östlich, genau auf der anderen Seite des Hauptbahnhofs. Besonders beliebt hamburg auch die Friseurin. Wo es schlichtweg an allem mangelt. Dass es in St. Obwohl hier — anders als auf der Reeperbahn — niemand auf die Idee käme, Prostitution als Touristenspektakel mit dem fragwürdigen Charme des durchgeknallten Stadtmarketings zu inszenieren. In St. Tatsächlich muss man in St. Georg nicht lange nach Sexarbeiterinnen suchen, mit ihnen aber über ihre Lebensumstände oder Arbeitsbedingungen zu sprechen, ist erst mal nahezu unmöglich.

Die meisten kommen aus Bulgarien, aus Rumänien oder Polen.

Seit ein paar Jahren versuchen auch viele Geflüchtete, hier irgendwie unterzukommen. Und sie alle sind es gewohnt, dass längst nicht nur Freier nach ihnen suchen, sondern auch ganze Heerscharen von Gangstern, Polizisten und Missionaren. Georg ist jedoch nicht nur für seinen Drogenstrich berüchtigt, sondern auch für fragliche staatliche Regulierungsversuche. Seit ist hier Sperrbezirk, auch wenn es gut 20 Jahre dauert, bis die Behörden tatsächlich offensiv werden.

Das Ergebnis: Prostitution wurde ein bisschen geheimer — und zog sich in immer finstere Ecken zurück. Das ist ein Problem für die Frauen selbst, aber auch für jene, die ihnen helfen wollen.

Die Prostitutionsgesetze von und haben sicher zu dieser Verschattung des Geschäfts beigetragen, obwohl sie das Gegenteil im Sinn hatten. Das seit zweieinhalb Jahren gültige Prostituiertenschutzgesetz ist ja auf dem Papier ein Legalisierungsprogramm: Sexarbeiterinnen sollen sich anmelden, krankenversichern, sich beraten lassen und Steuern zahlen. Nur ist das alles für Frauen in St. Georg, die oft kaum Deutsch sprechen, die manchmal überhaupt nicht lesen können, eine ziemlich undurchsichtige Angelegenheit. Und im Zweifel ist die Seite der Ausbeuter besser aufgestellt: Kurz nach Inkrafttreten des Gesetzes tauchen von Steindamm bis zum Kiez dubiose Versicherungsmakler und vermeintliche Anwälte auf.

Eine Frau habe 1. Und wie viel Verunsicherung das mit sich bringt.

Georg jedenfalls auch auf solchen Erfahrungen. Sexarbeit hat durch die bisherigen Regularien nicht abgenommen, sich sehr wohl aber weiter verelendet. Nur Frauen, die unter extremer Mehrfachdiskriminierung leiden, arbeiten hier heute noch offen sichtbar. Und sie werden immer älter, weil sich die jüngste Generation zunehmend über das Internet organisiert. Sperrgebiet St.

Georg war ursprünglich als Teil der Jugendhilfe angetreten und hat sein Angebot aber stückchenweise immer weiter gefasst. Unter welchen Bedingungen der Nachwuchs arbeitet, ist auch für professionelle Betreuungsstrukturen heute immer weniger ersichtlich.

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Wer sich eine Weile auf dem Hamburger Steindamm umsieht, wird jedenfalls verstehen, warum manche die Prostitution am liebsten schlagartig abschaffen würden — und Ausstiegsprogramme fordern statt kleinteilige Unterstützung. Auch Sperrgebiet St. Georg hat so ein Projekt im Angebot. Wer aussteigen will, bekommt hier Hilfe. Dass das eher selten passiert, dürfte auch daran liegen, dass ihnen die Welt jenseits des Strichs nicht gerade offensteht.

Ohne feste Wohnung kein Job und ohne Job keine Wohnung: Das ist der Teufelskreis der Deklassierten, der Obdachlosen und vieler Geflüchteter. Oft ist schon das Konto nicht zu kriegen, ohne das man mit dem Ausstieg gar nicht erst anzufangen braucht.

Dazu kommt eine kulturelle Barriere, die sich allein in juristischen Kategorien kaum verstehen lässt. Sexarbeit sei immer in der Schmuddelecke gewesen, sagen die Sperrgebiet-Mitarbeiterinnen, weshalb ihre Projekte immer bei der Entstigmatisierung des Berufs ansetzen.

In der politischen Debatte verschärft sich derweil der Ton, seit die Bundestagsabgeordnete Leni Breymaier SPD im Sommer einen Arbeitskreis zur Prostitution gegründet hat, der inzwischen fraktionsübergreifend besetzt ist. Die Kräfteverhältnisse sind nach wie vor nicht entschieden. Klar ist aber, dass die Verbotsforderung von Terre des Femmes nicht im luftleeren Raum stattfindet.

Hier prallen grundverschiedene Vorstellungen auch darüber aufeinander, was Feminismus bedeuten kann. Die Argumente der Verbotsbefürworter seien pure Fremdbestimmung und erklärten die Sexarbeiterinnen zu unmündigen Opfern. Unwahrscheinlich ist, dass sich beides zusammendenken lässt. Umso wichtiger wird sein, wohin das politische Pendel in Berlin in den kommenden Wochen und Monaten ausschlagen wird. Und in St. Georg werden bis dahin erst einmal weiter die Winterjacken verteilt.

Corona: hostel für prostituierte - wird projekt verlängert?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis taz. Sonderseiten, Themenwochen, Dossiers — vor und nach der Bundestagswahl ist die taz eine wichtige Stimme: 10 Wochen lang für nur 10 Euro. Vielen Sexarbeitenden droht nun Obdachlosigkeit. Patricia Hecht. Das Prostituiertenschutzgesetz hilft männlichen Sexarbeitern nicht. Simon Schramm. Ein Prostitutionsverbot wäre nur Symbolpolitik, die sich gegen die Frauen selbst wendet. Moral sollte nicht mit Menschenrechten verwechselt werden. Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette. Dann mailen Sie uns bitte an kommune taz.

Ich glaube den Leuten beim Verein Ragazza geht es wirklich um die Prostituierten.

Prostitution in st. georg

Während Terre des Femmes nur ihr Wunschweltbild von Moral und Sexualität durchdrücken möchten. Viele sind sich einig: Der Einsatz des Westens war sinnlos. Nur: Zählt es nichts, dass eine Generation von Afghaninnen zur Schule und arbeiten gehen konnte? Prostitution in Hamburg : In finstere Ecken gedrängt Sexarbeit gehört seit Jahrzehnten zum Hamburger Stadtteil St. Georg Foto: Miguel Ferraz HAMBURG taz Im Kalender steht nichts vom Streiten: Es ist Montag, der Einmal zahlen. Fehler auf taz. Inhaltliches Feedback?

Nord Hamburg Jan-Paul Koopmann Nord-Redakteur und CvD. Jan-Paul Koopmann. Abo Sonderseiten, Themenwochen, Dossiers — vor und nach der Bundestagswahl ist die taz eine wichtige Stimme: 10 Wochen lang für nur 10 Euro. Mehr Infos.

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